Feature: Wofür brauchen wir heute noch den Wolf?

Sind Weidetiere akut dadurch gefährdet, dass der Wolf wieder heimisch wird im Schwarzwald? Foto: Susanne Vollrath

Im Sommer 2017 machte der “Schluchsee-Wolf” Schlagzeilen. Ein Wolf war tot in dem Gewässer gefunden worden. Im Körper steckten noch die Reste einer Patrone. Hauptkonfliktquelle im Zusammenleben von Wölfen und Menschen sind in vielen Ländern Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere, denn Wölfe unterscheiden bei der Jagd nicht zwischen wilden und domestizierten Huftieren. Lupus ante portas? Für viele Menschen eine Horrorvorstellung. Sie wollen ihn nicht.

Nur: Den Wolf wieder loswerden ist auch nicht so leicht. Der Wolf ist eine nach europäischem und nationalem Recht streng geschützte Art. Er ist in der europäischen FFH-Richtlinie gelistet und stellt eine prioritäre Art dar, für deren Erhaltung allen Staaten der Europäischen Gemeinschaft eine besondere Verantwortung zukommt. National ist der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 7 Abs. 2 Nr. 14) eine streng geschützte Art und genießt damit den höchst möglichen Schutzstatus. In der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands (2009) wird der Wolf als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Er darf nicht bejagt werden.

Einer, der sich mächtig über den Umgang mit dem Thema ärgert, ist Nebenerwerbslandwirt Erich Berger aus Biberach-Prinzbach. Mutterkuhhaltung, ein paar Schweine, Wald – ein Betrieb wie so viele. Nicht groß, aber wichtig. Landwirte wie er halten die Wiesen selbst in den Steillagen kurz und sorgen damit dafür, dass die Landschaft offengehalten wird. »Ohne uns wäre der Schwarzwald bald noch schwärzer«, ist er sich sicher.

Erich Berger ist zweiter Vorsitzender des Ortsvereins des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) und hat sich wie viele andere auch mächtig über einen Artikel in der Verbandszeitung geärgert. 

In einem Artikel verurteilte der BLHV, genau wie die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe »Luchs und Wolf«, die illegale Tötung des Wolfes. Erich Berger fühlt sich vom Verband in Sachen Isegrimm als Landwirt nicht gut vertreten. »Wir haben mehr als 150 Jahre gut ohne ihn gelebt. Für was brauchen wir den Wolf hier?«, fragt Berger. Die Wiederansiedelung von Wolf wie Luchs gehe zu Lasten der Landwirte und verschärfe die Lage, die sowieso schon angespannt sei.

Ich sprach mit Erich Berger lange über den Wolf, die fehlgeleitete Subventionspolitik, andere Einwanderer wie den Maiswurzelbohrer. Alles vor der malerischen Kulisse des Prinzbachtals.

I